Pfingstsonntag
mit interkulturellem Flair
Die Wertesysteme anderer
Gesellschaften verstehen, damit Begegnung und echte Verständigung möglich wird.
Annette Wendling schreibt über neue Erkenntnisse.
Bei strahlendem Sonnenwetter
war es keine Kunst, am Pfingstmontag als bunt zusammen gewürfelte Truppe beim
gemeinsamen Grillen, bei Spiel und Spaß und beim Singen miteinander einen
unvergesslichen Tag zu erleben. Es war wohl das bisher internationalste
Zusammensein dieses traditionellen Gemeindeausflugs, denn mit von der Partie
waren einige afghanische Freunde und auch Gäste aus Bulgarien.
.
Wie würden Sie sich entscheiden?
Das letzte Wochenende verbrachte ich auf der diesjährigen Tagung des AMIN
(Arbeitskreis für Migration und Integration der Ev.
Allianz). Neben vielen aktuellen Literaturtipps, intensivem Austausch und
bewegenden Zeugnissen von jungen Migranten, deren Leben durch eine Begegnung
mit Jesus radikal verändert wurde, gab es auch ein sehr aufschlussreiches
Seminar zum Thema: "Interkulturelle Verständigung und Integration"
Es wurde mir neu deutlich
wie wichtig es ist, das Wertesystem anderer Gesellschaften zu verstehen, damit
Begegnung und echte Verständigung vielleicht wenigstens ansatzweise möglich
wird. Es wurde auch klar, dass es keine einfachen Pauschallösungen und
Antworten für gelungene Integration gibt.
Es wird ein Weg und ein
Lernfeld bleiben, dieses Bestreben aktiv zu leben.
Anbei habe ich Ihnen zwei anschauliche
Beispiele aufgeführt, die die Herausforderung verdeutlichen. Das ganze Referat
kann im Internet heruntergeladen werden unter: www.jafriedrich.de (Interkulturelle
Verständigung und Integration).
Einer der Söhne ist für sein
Studium nach Europa gekommen. Leider läuft es nicht sehr gut. Er kommt mit dem
Studium nicht zurecht und sein Geld reicht kaum für die Miete und das Essen.
• Es ist wichtig, dass seine
Eltern wissen, wie es ihm geht. Deshalb erzählt er ihnen von allen seinen
Problemen.
• Er denkt, seine Eltern
wollen wissen, wie es ihm geht. Deshalb erzählt er ihnen von allen seinen
Problemen, obwohl es ihm unangenehm ist.
• Er will sich selbst gut
darstellen. Deshalb erzählt er von der Unfreundlichkeit der Europäer und dass
er trotzdem alles im Griff hat.
• Er weiß, dass er der
ganze Stolz seiner Familie ist. Deshalb will er die Eltern nicht enttäuschen
und erzählt, dass alles in Ordnung ist.
Sami wird von seinem Onkel
angerufen, der ihm erklärt, dass er am Nachmittag bei ihm vorbeikommen wird.
Der Neffe hat eigentlich einen anderen wichtigen Termin.
• Sami sagt seinem Onkel,
dass er sich auf seinen Besuch freut und sagt den anderen Termin ab.
• Sami sagt seinem Onkel,
dass er sich auf seinen Besuch freut, aber gerade heute Nachmittag ginge es
leider nicht.
• Sami sagt seinem Onkel,
dass er sich auf seinen Besuch freut. Wenn der Onkel kommt, will Sami ihm
erklären, dass gerade noch ein anderer wichtiger Termin gekommen ist und er
leider gehen muss.
• Sami sagt seinem Onkel,
dass er sich auf seinen Besuch freut und hofft insgeheim, dass er nicht zulange
bleibt, damit er nicht zu spät zu seinem Termin kommt.
(Die "richtigen",
d.h. im nichtwestlichen Kulturkreis geltenden Antworten sind kursiv gedruckt)
Ihre Annette Wendling
(Integrationsbeauftragte)
Der Förderverein der Ev.Luth.Friedenskirche
Hamburg-Jenfeld e.V.
Kto. Nr. 1292123070
BLZ 20050550